rztetag wnscht sich Manahmenpaket zur Strkung der Kinder- und…

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Bremen Bei allen knftigen Manahmen der Pandemiebekmpfung muss das Wohl von Kindern und Jugendlichen ganzheitlich in den Blick genommen und bercksichtigt werden. Dies forderte gestern der 126. Deutsche rztetag.

Im Verlauf der Coronapandemie seien bereits vorhandene Problemlagen von Kindern und Jugendlichen verstrkt worden und medizinische Versorgungslcken deutlicher sichtbar geworden, so die zentrale Feststellung der Delegierten. In Abhngigkeit vom soziokonomischen Status wrden insbesondere die psychosozialen Folgen der Pandemie fr Kinder und Jugendliche auch noch in den nchsten Jahren Spuren hinterlassen.

Aus Sicht der rzteschaft ist deshalb die Umsetzung eines umfassenden Manahmenpaketes erforderlich. Pandemiebedingte flchendeckende Schlieungen von Kindertageseinrichtungen und Schulen mssten knftig vermieden und nur in extremen Krisensituationen in Erwgung gezogen werden.

Die Hygiene- und Schutzmanahmen fr die Orte des Erziehungs- und Bildungssystems mssten auch nach der Pandemie im notwendigen Umfang aufrechterhalten und fr die zuknftigen Herausforderungen weiterentwickelt werden.

Die Netzwerkarbeit zwischen Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Schule, Schulsozialarbeit und Jugendamt sowie ffentlichem Gesundheitsdienst (GD) auf Landes- und kommunaler Ebene msse dringend gestrkt und adquat finanziert werden.

Zudem, so die rztetagsdelegierten, solle ein Expertenrat konkrete Manahmen fr die Bundes- und Landesebene entwickeln und zwar unter zwingendem Einbezug der Expertise der Kinder- und Jugendmedizin sowie Kinder- und Jugendpsychotherapie und -psychiatrie.

Ich bin froh darber, dass die Bundesrztekammer sich mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzt. In Bezug auf Kinder und Jugendliche wurden in der Pandemie Riesenfehler gemacht, sagte Gisbert Voigt, Delegierter der Landesrztekammer Niedersachsen. Damit dies nicht wieder passiere, msste insbesondere die UN-Kinderrechtskonvention von 1992 endlich umgesetzt und Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden, forderte der Kinderarzt.

Kinderrzte und Hausrzte htten schon whrend der Pandemie immer wieder darauf hingewiesen, dass die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen durch die Schulschlieungen leide, dass ihr Medienkonsum zunehme und dass das bergewicht durch Bewegungsarmut und schlechte Ernhrung ansteige, sagte Hans-Jrg Bittrich, Thringen. Der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat den Gesundheitsschutz der Erwachsenen ber den von Kindern gestellt das darf uns nicht wieder passieren, forderte der Delegierte.

Stndige Impfkommission strken

Notwendig sei auch die personelle und finanzielle Strkung der Stndigen Impfkommission (STIKO). Dies solle eine zeitnahe Aufarbeitung des aktuellen Stands des medizinischen Wissens sowie eine entsprechende Anpassung und Weiterentwicklung der flchendeckenden Impfstrategie gewhrleisten.

Ein an den Vorstand berwiesenen Beschluss fordert, dass sich STIKO und Politik hinsichtlich ihrer Impfempfehlungen abstimmen, bevor diese verffentlicht werden. Ansonsten komme es zu Verunsicherungen von rztinnen und rzten sowie der Bevlkerung.

Dieser Forderung schloss sich Thomas Lipp, Delegierter aus Sachsen, an. Drber hinaus betonte Gerald Quitterer, Prsident der Landesrztekammer Bayern, dass die Politik der STIKO nicht vorgreifen darf. Politiker sollten sich an die Empfehlungen der STIKO halten und die Kommission nicht unter Druck setzen. Zudem regte er an, rztinnen und rzte in die politischen Entscheidungen mit einzubeziehen.

Die stationre und ambulante medizinische Versorgungssituation des kinder- und jugendmedizinischen, des kinder- und jugendpsychotherapeutischen und -psychiatrischen sowie des sozialpdiatrischen Bereichs msse ebenfalls verbessert und adquat finanziert werden.

Dies betreffe unter anderem die bedarfsgerechte Anpassung der Personal- und weiteren Vorhaltekosten fr saisonale Belastungszeiten im stationren Bereich der Kinder- und Jugendmedizin und den bedarfsgerechten Ausbau der verschiedenen therapeutischen und kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Angebote.

In diesem Zusammenhang wies Irmgard Pfaffinger, Delegierte aus Bayern, darauf hin, dass nicht nur die immer wieder geforderten zustzlichen Kassensitze fr Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten geschaffen werden sollten, sondern auch mehr Sitze fr Kinder- und Jugendpsychiater, ebenso wie fr Erwachsenenpsychiater und -psychosomatiker.

Viele Eltern waren in der Pandemie mit der Situation von Homeoffice und Homeschooling stark belastet und teilweise berfordert auch sie brauchen unsere Hilfe, sagte die rztliche Psychotherapeutin.

Einen weiteren Fokus legten die Delegierten auf die Strkung der Forschungsaktivitten zu insbesondere langfristiger Folgen primrer und sekundrer Krankheitslasten (einschlielich Long/Post COVID) bei Kindern und Jugendlichen.

Thomas Lipp, Sachsen betonte in diesem Zusammenhang, dass fr die notwendigen Laboruntersuchungen bei Long COVID ein Extrabudget zur Verfgung stehen sollte. Ansonsten wrden sie aufgrund hoher Kosten nicht durchgefhrt, wie er frchtete.

Sofortmanahmen fr Kindeswohl

Bei allen sie berhrenden Manahmen und Entscheidungen msse das Wohl und die Meinung von Kindern und Jugendlichen adquat bercksichtigt werden. Mit umfassenden und ausreichend finanzierten Sofortma߭nahmen solle den entstandenen Entwicklungsdefiziten effektiv entgegengewirkt und zugleich Kinder und Jugendliche auch in ihrer sozialen Teilhabe gestrkt werden.

Bis zum Herbst mssten die Gemeinschaftseinrichtungen fr Kinder und Jugendliche entsprechend der vorliegenden Ergebnisse nachgerstet werden, so die Delegierten. Um die Gesundheitskompetenz der Kinder und Jugendlichen zu strken, fasste der rztetag den Beschluss, dass das Schulfach Gesundheit eingefhrt werden sollte.

Die infolge der Coronapandemie entstandenen Rckstnde in der Sprachentwicklung und kognitiven Entwicklung von Kleinkindern und Kindern sollten durch Strkung der rztlichen Frherkennung frhkindlicher Sprachentwicklungsverzgerung zgig aufgeholt werden.

Fr die Zukunft unserer Kinder muss mehr Geld ausgegeben werden, als die eine Milliarde Euro, die das Aktionsprogramm der Bundesregierung ,Aufholen nach Corona’ vorsieht, forderte Irmgard Pfaffinger, Bayern. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf ein normales Erwachsenenleben, sagte sie.

Man muss fr den nchsten Herbst und Winter dringend Vorbereitungen treffen bisher ist nichts passiert, mahnte in diesem Zusammenhang Tilman Kaethner, Niedersachsen, an. Wir mssen fr die nchste Welle gewappnet sein. Es muss jetzt konkret gehandelt werden, beispielsweise indem Frderkurse fr besonders Benachteiligte aufgelegt werden, forderte Heidemarie Lux, Bayern.

Durch die Pandemie haben sich die Lebenssituation und die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen verschlechtert. Das gilt vor allem fr diejenigen, die schon vor der Pandemie unter Armut gelitten haben. Die Delegierten fordern daher, dass die Kommunen das Problem der Kinderarmut endlich grundstzlich angehen.

Nicht zuletzt mssen auch die Belange von chronisch kranken Kindern und Jugendlichen hinsichtlich Teilhabe an Bildung und gesellschaftlichem Leben bei den Entscheidungen Manahmen zur Eindmmung der Pandemie bercksichtigt werden.

Auf die besondere Situation von Kindern und Jugendlichen mit geistigen Einschrnkungen in der Pandemie wies auch Johannes Buchmann, Mecklenburg-Vorpommern, hin. Die Besonderheiten dieser Kinder wurden gar nicht beachtet, nicht einmal die Problematik, dass sie nicht an einem digitalen Unterricht teilnehmen knnen, sagte der Kinderpsychiater. Auf ihre besonderen Bedrfnisse msse in einer hnlichen Situation mehr eingegangen werden.

Schutzmanahmen analysieren

Da einige Manahmen, die in der Coronapandemie vom Gesetz- und Verordnungsgeber bestimmt wurden, sogar zu nachhaltigen negativen psychischen, physischen und sozialen Folgeschden aber auch zu Vertrauensverlusten der Bevlkerung in die Politik gefhrt htten, sollten laut rztetag die bisher getroffenen Schutzmanahmen unter Einbezug der rzteschaft einer systematischen und wissenschaftlich fundierten Analyse unterzogen werden. Das nationale Pandemiemanagement msse dann entsprechend angepasst und finanziert werden.

Dies betreffe aus Sicht der rzteschaft prioritr und dringend die Verbesserung der Kommunikation auf allen Ebenen, die Ausweitung und Erleichterung der staatlichen Forschungsfrderung und Verbesserung der Datenlage, die Weiterentwicklung der Eindmmungsstrategien sowie den krisensicheren Ausbau der medizinischen Versorgung.

In einem weiteren Beschluss hierzu fordert der rztetag eine bundesweite, ausreichende Finanzierung und Bereitstellung personeller Ressourcen fr eine bundesweite Studie und langfristig angelegte Untersuchung ber Long COVID bei Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen diese Studie solle vier bis acht Jahre laufen. © aha/PB/aks/aerzteblatt.de

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