Special Adventure Camp findet in Bonn statt​


Erstmals in Deutschland
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Special Adventure Camp findet in Bonn statt

Bonn setzt ein Zeichen im Zuge der Inklusion. In der Bundesstadt findet das erste deutsche Special Adventure Camp statt. Unter anderem gibt es ein gemeinsames Fußballturnier für Jugendliche mit Beeinträchtigung und solchen ohne.

Bonn feiert eine Premiere. An diesem Sonntag startet in der Bundesstadt das erste deutsche Special Adventure Camp. An fünf Tagen steht die Inklusion von Jugendlichen mit besonderem Bedarf im Rahmen erlebnispädagogischer Sportferien im Vordergrund.

Der Fußball ist wie viele andere Sportarten in Deutschland nach unterschiedlichen Leistungsstufen unterteilt. Bereits die untersten Jugenden werden in ein Ligasystem eingegliedert. In den jeweiligen Vereinen integrieren sich Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, sozialen Schicht, Religion, sexuellen Orientierung oder ihrem Geschlecht. Die Leitidee der Inklusion geht jedoch noch einen Schritt weiter. Angegliedert an die Liechtensteiner Stiftung „Football is more foundation“ (FIM) veranstaltet der gleichnamige Verein vom 22. bis 26. Mai das erste deutsche „Special Adventure Camp“ in Bonn. „Unser Ziel mit der Veranstaltung ist es, Menschen mit besonderem Bedarf mehr in die Mitte der Gesellschaft zu bewegen. Inklusion bedeutet, dass die Menschen überall am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“, erklärte Prof. Dr. Jürgen Buschmann, Projektorganisator und Vorsitzender FIM e.V. Deutschland.

Unter dem Motto „together we are stronger“ organisiert die FIM-Stiftung seit 2011 Sportferien als Programm zur Förderung von Inklusion und Bildung für Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung. Dort treffen sogenannte „Special Needs Teams“ auf Schüler ohne besonderen Bedarf aus dem jeweiligen Austragungsort, um Berührungsängste abzubauen und auf spielerische Weise ein Inklusionsverständnis zu entwickeln. Projekte wie dieses sollen den Weg für Menschen mit besonderem Bedarf in der Gesellschaft ebnen. „Wenn wir das auf den Sport beziehen, da ist das leider noch nicht gegeben. Wenn Menschen besonderen Bedarf haben, sollten sie überall in einen Sportverein und nicht in einen Behindertensportverein gehen können. Das versuchen wir mit unserer Kampagne zu erreichen“, sagte Buschmann.

1. FC Köln und FC Chelsea sind dabei

Zu dem Special Adventure Camp in Bonn reisen am Sonntag rund 150 Kinder und Jugendliche aus zehn Special Needs Teams. Darunter befinden sich sowohl namenhafte nationale Profivereine wie der 1. FC Köln, Bayer 04 Leverkusen und der VfB Stuttgart als auch große internationale Clubs wie Paris Saint Germain und der FC Chelsea. Neben dem FIM-Verein unterstützt der FC Hertha Bonn aus dem Stadtteil Dottendorf als Organisator und Teilnehmer. „Dieses wunderbare Turnier führt junge Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen aus ganz Europa zusammen. Gemeinsam haben sie Spaß am Fußball. Und gemeinsam lernen sie spielerisch über den Sport, was Inklusion und Teilhabe, was Nachhaltigkeit bedeuten“, sagte Schirmherr und DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Über das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen hinaus geht es in dem Projekt auch darum, die Eltern zu entlasten.

Bevor am Montag der erste von drei Turniertagen startet, geht es für die Teams am Sonntag im BaseCamp Hostel Bonn mit einer offiziellen Begrüßung und einem Training auf der nah gelegenen Sportanlage Wasserland los. Am Montag werden die Kinder und Jugendlichen das Friedrich-Ebert-Gymnasium besuchen und dort mit Schülern gemeinsam Mittagessen. Zurück am Sportpark Wasserland bestreiten die Kinder und Jugendlichen mit und ohne besonderen Bedarf gemeinsam ein Turnier. Der Wettkampf der Special Needs Teams startet jeweils am Dienstag und Mittwoch um 14 Uhr auf dem Münsterplatz. Am Dienstag wird der Wettkampf in ein musikalisches Rahmenprogramm mit Ansprachen unter anderem des Bonner DFB-Präsidenten Neuendorf und der stellvertretenden Bürgermeisterin Melanie Grabowy eingegliedert. Vor den Turnierspielen am Mittwoch besuchen die Kinder und Jugendlichen den Bonner UN Campus.

Austausch für Vereinsvertreter möglich

Im Rahmen des Inklusionsprojektes kommen aber nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Trainer und Betreuer der Special Needs Mannschaften mit Trainern ortsansässiger Vereine und Lehrern zusammen. In einem Weiterbildungsworkshop am Montag tauschen sie sich über Sport mit Personen mit besonderem Bedarf aus und lernen von gegenseitigen Trainingsmethoden und organisatorischen Rahmenbedingungen. „In England hat jeder Verein Mannschaften mit besonderem Bedarf, die in einem Ligasystem spielen. Demnach haben Vereine wie der FC Chelsea viel Erfahrung, von der die Vereinsverantwortlichen hier lernen können“, sagte Buschmann. Die Veranstaltung ist zugleich Förderung und Netzwerkausbau der freiwilligen Helfer.

Der bestmögliche Weg der Inklusion lässt sich aber nicht nur auf Basis des Trainings diskutieren. Um auch die Forschung in dem Bereich miteinzubeziehen, findet am Dienstag ein wissenschaftliches Symposium an der Universität in Bonn statt. Zum Thema „Inklusion und Nachhaltigkeit – eine verantwortungsvolle Rolle des Fußballsports“ werden neben zahlreichen Hochschulprofessoren wie Franziska Fey von der DFL Stiftung, Dr. Werner Wolf als Präsident vom 1. FC Köln und Simon Rolfes als Sportdirektor von Bayer Leverkusen referieren. Langfristig sollen derartige Inklusionsprojekte zu mehr Mannschaften mit besonderem Bedarf in Sportvereinen führen, damit Kinder und Jugendliche über die reine Integration hinaus eine gesellschaftliche Teilhabe am Leben tragen.

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